michael lissek

radiophone dokumentationen


  hermann bohlen // peter leonhard braun // martin burckhardt // DokMa2011 // feature weltweit // walter filz  //  uli gaulke //  jens jarisch // peter klein //  helmut kopetzky // michael lissek // david zane mairowitz // kaye mortley // petschinka // schütze-quest 



www.michaellissek.com

 

featuregespräche


das feature besitzt beinahe keinen notierten diskurs. kaum jemand, der über das feature jenseits des tagesgeschäfts geschrieben & publiziert hätte. (siehe aber auch die arbeit von TANJA RUNOW; ein feature-theorie-prototyp) 

anders beim dokumentarfilm: meterweise fachliteratur zum thema. bibliotheken mit dvds, videos. und an journalistenschulen kann man lernen, wie man sie macht, die dokumentarfilme.

anders auch beim hörspiel: als explizit literarische gattung mit autoren wie eich, fichte, böll, jandl, mayröcker usw. ist ihm der diskurs gewiß.

das feature wird in großen mengen hergestellt, aber jenseits eines engen zirkels kaum ästhetisch reflektiert. neuere texte über feature sind werkstatttexte, die erklären, wie man features produziert und wie mikrofone nieren- oder kugelförmig funktionieren.

featuregespräche kann dem nicht abhelfen. sie sind ein (kleiner) versuch, mithilfe von gesprächen einen vorläufigen diskurs herzustellen. featuregespräche ist eine materialsammlung, die einem zukünftigen (diskurs, autor, forscher) von nutzen sein möchte.

featuregespräche ist noch im aufbau, und regelmäßig sollen neue gespräche hinzukommen. 
auch ist die liste der interviewpartner niemals vollständig, sondern unterliegt permanenter aktualisierung. 

wer regelmäßig über änderungen und neuaufgenommene gespräche informiert werden möchte, schreibe mir eine mail.

die autoren / produzenten, die interviewt wurden / interviewt werden sollen, sind (in alphabetischer reihenfolge):


hermann bohlen

peter leonhard braun

martin burckhardt

DokMa2011

feature weltweit

walter filz

uli gaulke

jens jarisch

peter klein

helmut kopetzky

david zane mairowitz

kaye mortley

petschinka

friedrich schütze-quest


(wer aus den eingestellten soundfiles  zitieren möchte, tue das bitte unter angaben der quelle)




hermann bohlen

kein zeitgenössischer autor hat das aktuelle hörspiel beeinflußt wie hermann bohlen. 

was allerdings nur auf einem mißverständnis beruht: bohlens produktionen sind gar keine hörspiele, sie sind zum allergrößten teil features. "jäger rufen hirsche", "hörspiele und andere geräusche in der popmusik", "onager", "sag doch auch mal was": alles features. bohlen wollte nur das hörspielhonorar abgreifen. und sein berühmtestes hörspiel, "prozedur 7.7.0", ist auch ein feature. irgendwie. und irgendwie auch nicht.

behaupte ich. 

was sagen Sie dazu, herr bohlen?

das gespräch als langer einteiler (27'51)


peter leonhard braun


PLB (und sein damaliger toningenieur) während einer veranstaltung von RADIO TESLA am 14.02.2007 (mit freundlicher genehmigung von RADIO TESLA):

zu braun siehe auch eine rezension seines stückes HYÄNEN, sowie tanja runows arbeit über "polyphonie im radio-feature"


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martin burckhardt
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martin burckhardts stücke, vornehmlich aus den 80er und 90er jahren, wurden mir von einem befreundeten archiv-mann zugespielt. weil ich ihm verraten hatte, daß ich in gerade diese jahrzehnte wenig einblick hätte.

was ich da hörte, von burckhardt, verblüffte mich: stücke über eine reise nach südafrika (1986), akustische reflexionen über disneyworld (1987), ein stück über die faszination des computers (1989)... verblüffend deshalb, weil da zuerst einmal da wenig o-ton zu hören war, und wenn, dann in arg artifizielle akustische räume eingebettet. und ich hörte schauspielerstimmen, die quasi delirierten und so langsam sprachen, daß ich bei jeder pause dachte: jetzt ist es  vorbei, das stück. dazu eine vielzahl elektronischer sounds, deren auftauchen ich zwei jahrzehnte später vermutet hatte. und all das verbunden mit burckhardt-texten, die (für mich) funktionieren wie die von baudrillard: verstehst du 70%, bist du gut.

martin burckhardt war ein vielgespielter feature- und hörspielautor, und er hatte schon immer theorie mit praxis verknüpft. das macht ihn bis heute einzigartig. daß in seinen stücken reflexion mit praxis sich verbindet.

worüber er - wiederum - in unserem gespräch reflektiert.

martin burckhardt schreibt und produziert heute (2010) nur noch selten radiostücke. hauptsächlich programmiert er computerspiele, unterrichtet an universitäten und schreibt erfolgreiche bücher ("eine kleine geschichte der grossen gedanken", dumont 2008).

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1. einflüsse: radikal ignorant (1'59) - 2. ES spricht: das unbewußte des features, und das pathos des materials (6'50) - 3. langsamkeit als radiophones berauschungsmittel: der KLANG (1'31) - 4. produktionsbedingungen in den 80ern: der fehlende diskursanschluß und die vernachlässigung der technologie (2'57) - 5. verpasste chancen der feature- und hörspielredaktionen: inzest und fröhlicher dilettantismus (3'46) - 6. field recording? ein paar gründe dagegen (4'44) - 7. polymorpher sound und feature: ein ausflug zu meister eckhart (5'22)

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DOKMA 2011

(vom oh-ton-festival in potsdam)

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60 hochklasse-features aus 63 jahren featuregeschichte in 3 tagen zu gehör bringen: mit diesem programm trat das OH!-TON-FESTIVAL 2009 erstmal in potsdam an. 

zu bestaunen gab es diese akustischen leckerbissen aber nicht irgendwo, sondern auf hölzernen jollen, unter himmelhohen schäfchenwolken und in kinogroßen sälen. dazu drumherum ein hübsches rahmenprogramm von workshops, diskussionen undsoweiter: das erste POTSDAMER OH!-TON-FESTIVAL war ein ereignis.

2011 wiederholte sich das happening. die organisatorin dörte fiedler hatte wieder einige enthusiastInnen zusammengetrommelt, die bereit waren,mehr oder minder entgeldlos ein jahr an der vorbereitung des festivals zu arbeiten.

ausgeschwärmt wurde also in die archive der ARD, nach baden-baden, köln und sonstwohin. über 600 stücke hörten die zumeist noch studierenden, um eine halbwegs repräsentative auswahl für ihr festival zu treffen. 

was sie aber bald merkten, war: da wiederholt sich ja ganz viel! nicht bloß thematisch, sondern vor allem formal. und sie waren bald, nein, nicht wirklich genervt, wohl aber aufmerksam geworden auf wiederkehrende, klischeehafte patterns, die sich wie schneckenspuren durch das kulturlastige radiofeature der letzten jahrzehnte zogen. "die edle schauspielerstimme"; "die konservenmusik als stimmungsmacherin"; "das voice-over als voice-under"; "das jahrestagfeature". undsoweiter.

wer 600 stücke hört, darf sich eine meinung anmaßen. was das team auch tat, und zwar in form von 10 provokativen thesen, publiziert und zur diskussion gestellt unter dem Titel "DokMa 2011" - eine semi-ironische anspielung auf lars von triers "dogma95". 

DokMa2011 ist ein erstaunliches dokument, vor allem deshalb, weil es VON HÖRERN stammt. denn wann hätte es das schon einmal gegeben?: daß hörerInnen manifestos verfassen  - gegen das feature, für das feature? 

bedenkenswert...

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das programmheft des oh-ton-festivals

die dokma2011 site

DokMa2011 als .pdf

die feature-redakteure wolfram wessels und walter filz im gespräch über dokma2011 als .mp3 (vom dokublog des swr)

rezension des oh-ton-festivals von jochen meißner, funkkorrespondenz 30.2011, als .pdf

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wolfram wessels interviewte die organisatorin dörte fiedler VOR dem festival (vom dokublog des swr)


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feature weltweit

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ein großer dank geht an den SWR2-feature-redakteur WOLFRAM WESSELS, der den FEATUREGESPRÄCHEN an dieser stelle neuen input gibt.

wessels hat 2010 an der internationalen featurekonferenz in hämeenlinna / finnland teilgenommen und es nicht verabsäumt, seine kollegen nach rolle & funktion des radiofeatures in ihrem jeweiligen land zu befragen. und das aufzuzeichnen. und online zu stellen.

erstveröffentlicht sind diese gespräche auf der swr2-dokublog-homepage; und mit besonderer genehmigung zweitveröffentlicht hier, bei den FEATUREGESPRÄCHEN.

besonders hinweisen möchte an dieser stelle auf wessels indolentes gespräch mit dem finnen harri huhtamäki, das zu den höhepunkten der verlangsamung im radio gehört. zwei redakteure delirieren leise vor sich hin, während sehr im hintergrund fangesänge angestimmt werden... großartiges radio!

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wolfram wessels im gespräch mit edwin brys über features in belgien 6'09

wolfram wessels im gespräch mit wei fan über features in china 4'58

wolfram wessels im gespräch mit iona baldea über features in rumänien 5'20

wolfram wessels im gespräch mit julie shapiro über features in den USA 17'15

wolfram wessels im gespräch mit berit hedemann über features in norwegen 7'57

wolfram wessels im gespräch mit harri huhtamäki über features in finnland 6'47

wolfram wessels im gespräch mit simon elmes über features in der BBC 11'35

 

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walter filz

filz gilt als der erfinder des "thetischen features": einer haarsträubenden (s.o.) these folgt eine nicht minder atemberaubende durchführung. in der alles irgendwie zusammen darf: zwielichtige interviews, u-musik, philosophie und informationssatire.

filz galt lange zeit als chef-autor des wdr. mittlerweile ist er chef vieler autoren beim swr geworden. mit ihm spreche ich über sein (des-)interesse an interviewpartnern, die "atmo" im feature und das filzsche prinzip der brachial-montage.

teil 1: in den stücken von walter filz gibt es keine interviews: walter filz leugnet und erklärt das thesenfeature (4'01)

teil 2: was ist das, ein feature, herr filz? (4'08)

teil 3: walter filz reflektiert das medium, während er das medium bedient. die "kamera im bild" (3'49)

teil 4: am orinoko. die atmo als schwindel. überlegungen zu brot, butter und braun (5'42)

teil 5: das stück "ästhetisierung von katzenfutter" als jonglage mit etablierten radioformen (6'33)

teil 6: das 5000-teil-puzzle. brachiale montage als gedanken-formation (3'06)

teil 7: was ist Ihr lieblingsfeature, herr filz?

eine laudatio auf walter filz zum HÖRSPIELPREIS


uli gaulke


uli gaulke hat bisher noch keine radio-features gemacht und wird aller voraussicht nach auch nie welche machen. 

uli gaulke ist dokumentarfilmer. sein letzter film, "comrades in dreams", der von filmvorführern in aller welt handelt, lief im januar 2007 auf dem von robert redford gegründeten SUNDANCE FESTIVAL und bekam stehende ovationen. uli gaulke ist gut im geschäft.

grund genug, ihn über seine arbeitsweise zu befragen. vielleicht hat die ja etwas mit der von featuremachern zu tun...

das gespräch



jens jarisch

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jarisch erhielt in den jahren 2005 und 2006 für seine features den renomierten PRIX EUROPA. 

er spricht über sein verständnis von feature-ästhetik und wird bei einem exkurs über mikrofone emotional. er sucht eine "welt dahinter" und tut das über die oberfläche.

ein freundschaftliches parlando.

teil 1: stimme geben. die dominanz des bildes. exkurse über die macht. (13'14)

teil 2: die blutprobe. biografisches. (8'07)

teil 3: "ich glaube ihm nicht, aber er sagt die wahrheit." zuständigkeit. oder: die welt dahinter. (11'51)

teil 4: die wahl der waffen. mikrofone. oder: das größte mißverständnis in der welt des features. (10'59)

teil 5: explorationen. gründe für die eigenproduktion. (10'22)



peter klein

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bekannt geworden ist peter klein durch sein gemeinsam mit michael köhlmeier produziertes stück "march movie", das als erstes "fake-hörspiel" nach "krieg der welten" gilt und eines der meistgespielten hörspiele überhaupt ist. und übrigens auch hermann bohlen zu "prozedur 7.7.0." inspirierte.

mittlerweile war peter klein leiter der featureredaktion des orf und ist nun leiter der hörspielabteilung desselben senders. mit ihm spreche ich über die unterschiede zwischen der deutschen und österreichischen featureproduktion, über die qualität von autorInnen und redakteurInnen und die bedeutung der sozialen kompetenz eines featureredakteurs.

das interview (16'53) 

aus dem inhalt: 1. versuch einer feature-definition ¦ 2. was man alles können muss: der perfekte feature-autor ¦ 3. volkshochschule, teil 1: die vorteile des daseins als redakteur ¦ 4. die kunst des hintergrunds. redaktion als soziale kompetenz ¦ 5. ORF & ARD: die fallstricke der arbeitsteilung. oder: "es ist nicht gut" ¦ 6. volkshochschule, teil 2: autorenbetreuung beim ORF



helmut kopetzky


helmut kopetzky macht seit über 40 jahren features, trägt das aber nicht vor sich her.kopetzky ist einer der wenigen, der über seine arbeit auf hohem niveau texte publiziert und außerdem - als feature-lehrer in EBU und ARD - einer heerschar von jungmenschen beigebracht hat, wie das gehen könnte, das feature. 

seit sehr vielen jahren produziert kopetzky seine stücke selber, weshalb in seiner fuldaer wohnung tonbänder, bandgeräte, cds, kabel und bildschirme fröhlich die innenarchitektur (und mehr; s.o.) prägen.  

viereinhalb jahre lang war er redakteur beim SFB, schmiss dann aber hin und kehrte zurück zu mikrofon, mischpult und freier autorenschaft. 

im februar 2008 ist er für sein lebenswerk mit dem AXEL-EGGEBRECHT-PREIS ausgezeichnet worden (s.u. "miscellaneous").

mit kopetzky spreche ich über seine herkunft aus der "braunschen schule" und einen großen mythos des features: das "ich" des erzählers, das ziemlich männlich daherkommt, sowie über das mikrofon, das einen eigenen willen hat.

1. being ernest hemingway. ästhetik des kurzen satzes und die braunsche feature-schulung (13'14)

2. sich selbst herausschneiden oder die ANWESENHEIT des autors. (7'48)

3. das mikrofon als organisator der situation und vernunftbegabtes wesen (5'06)

4. die "ideale" sendung, die STIMME als archetyp und ein abschließender exkurs über die herrliche stadt fulda (11'13)

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miscellaneous

  1. werkeverzeichnis kopetzkys (von der homepage des eggebrecht-preises)

  2. vita kopetzkys (von der homepage des eggebrecht-preises)

  3. die laudatio auf helmut kopetzky von PETER LEONHARD BRAUN, gehalten am 3. februar 2008 im haus der medienstiftung leipzig (24'16)

  4. kopetzky in einem halbstündigen interview mit MDR-figaro am 5. september 2010

  5. wolfram wessels im gespräch mit helmut kopetzky über sein buch "RADIOJAHRE" (vom DOKuBLOG des SWR) 20'00

  6. helmuth kopetzky im gespräch mit dem macher des bremer hörkinos, charly kowalczik, über sein buch RADIOJAHRE (2013): Teil 1 & Teil 2

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michael lissek

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michael lissek ist der betreiber dieser homepage, insofern ist es (vielleicht) ein wenig peinlich, hier gespräche mit ihm zu publizieren. 

auf der anderen seite ist lissek auch autor, und dieser autor lissek ist ein paar mal von anderen befragt worden zu seinem werk.

also.

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david zane mairowitz

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david zane mairowitz hat drei bücher mit ähnlichem titel publiziert: kafka kurz und knapp; camus kurz und knapp; wilhelm reich kurz und knapp

kurz und knapp war das gespräch mit ihm allerdings nicht. zum glück. denn mairowitz, ein "ur-gestein" der hörspiel- und featurekunst, hat eine menge zu sagen. wenige haben wie er das genre des radiofeatures belebt mit der eigenen geschichte, einer intelligenten verflechtung von story und history. mairowitz' features sind gesättigt mit seiner eigenen  biographie - und gerade dadurch dokumentationen der zeit und zeitläufte. ohne ICH sind die stücke mairowitz' nicht vorstellbar - dieses ICH ist aber, anders als bei kopetzky, so dramatisiert, das his story und history verschmelzen zu einer dokumentarischen hysterie... und das sichert den spaß, den seine stücke machen.

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kaye mortley

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kaye mortleys hörstücke sind nicht von dieser welt. gemeinsam mit rene farabet arbeitete sie für das atelier de création radiophonique in paris, für das sie sendungen sphärischer schönheit erstellte. ihre produktionen verabschieden auf einzigartige und verwirrende weise die üblich strenge disjunktion von interview und geräusch. "erzählen" bekommt bei ihr eine neue dimension: verzicht auf kontinuitäten und gleichzeitige präponderanz des sounds rücken ihre akustische syntax in die nähe des musikalischen. wenn irgendein featuremacher NICHTS mit journalismus zu tun hat, dann kaye mortley.

das interview als 12-teiliger lückentext. aufgenommen offenbar mit zittriger hand.

das gespräch (19'54)

aus dem inhalt: 1. ephemere produkte statt fest-schriften. ein existenzzeichen, das verschwindet. ¦ 2. feature & ballett. angemessen statt "schön". ¦ 3. das "ideale stück" ¦ 4. literarische referenzen. eine verweigerung ¦ 5. anfänge. journalistischer kram. ¦ 6. die fehlende erwartung. ¦ 7. abwesende aufmerksamkeit. interviewsituationen. ¦ 8. schneiden & module bauen. arbeitsweisen.  ¦ 9. atélier de création radiophonique. das scheitern der transkription.  ¦ 10. aufenthaltsorte. akustische räume. ¦ 11. das verschwinden des "anderen" radios.  ¦ 12. stil. die unhintergehbare schreibweise. der kaye-mortley-sound.

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s.a. meinen vortrag über mortleys stück "fremd im elsass"


petschinka

petschinka, der mit vornamen eberhard heißt, aber bloß petschinka genannt sein möchte, hat 2009 den GÜNTHER-EICH-PREIS für sein lebenswerk erhalten. 

petschinka malt, er schreibt romane und theaterstücke, er produziert hörspiele und features, war mal schuldirektor und taucht nirgends ohne seine schwarzen notizbücher auf, weil er (nach nietzsche) auf das "diktat" seiner kreativität wartet. wenn die kommt, schreibt er eifrig mit. er erscheint häufig mit einem co-autor, der "krok" heißt, aber "krok" ist er selber.

da geht dann auch im gespräch einiges durcheinander, und (nur) über das feature mit petschinka zu sprechen ist schwer, weil das ja doch nur ein aspekt seiner kreativität ist.

bis die hunde uns finden und sein portrait des musikers bernhard lang waren die stücke von ihm, die mich am meisten beeindruckt haben und die in deutschland seltsamerweise noch ziemlich unbekannt sind. was vielleicht daran liegt, daß petschinka in diesen stücken den journalismus nur streift; seine route führt in die wiederholung und die schleifenbildung von o-ton-, atmo- und musikalischem material. er eröffnet damit assoziationsräume, die die signifikanten flirren lassen.

dies ist nicht wirklich ein interview über das feature. dies ist ein ungeordnetes gespräch über einen, der auch features macht. über petschinka.

teil 1: ästhetik der schmutzigen aufnahme. petschinka hat ein schlechtes mikrofon. (2'39)

teil 2: das feature konstruiert wirklichkeit. obwohl gegen journalismus manchmal gar nichts zu sagen ist. (1'43)

teil 3: skurille trouvets. petschinka schlägt sich auf die schenkel, hat keine fragen und findet stattdessen skurillitäten. (4'40)

teil 4: petschinka als sekretär der einfälle. (1'18)

teil 5: petschinka gewinnt einen preis und bekommt nur die hälfte. mit features hat das nichts zu tun, beweist aber die wesentliche furchtlosigkeit des herrn petschinka. (3'13)

teil 6: malen. schreiben. mischen. alles durcheinander. die großartigen möglichkeiten des radios. und die zusammenarbeit mit dem komponisten mitterer. (3'35)

teil 7: das pseudonym "krok" als mädchenräuber. die geschichte von der ukrainischen heilerin. (6'33)


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friedrich schütze-quest

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friedrich schütze-quest, einer der alten recken des radiofeatures, besser: einer der recken des alten radiofeatures, hat im jahr 2012 den axel-eggebrecht-preis für sein lebenswerk erhalten. zwei tage nach der preisverleihung trafen wir uns zu einem FEATUREGESPRÄCH im studio.

schütze-quest war angeschlagen: eine gebrochene hüfte und eine gebrochene rippe schleppte er zu unserem gespräch mit. unter diesen umständen den "meister der abschweifung" (wie schütze-quest von sich selber sagt) zu einem diskursiven gespräch über das genre des radiofeatures zu bewegen, war schwierig - aber vielleicht auch gar nicht so wichtig. 

mich hätte in unserem gespräch vornehmlich interessiert, welche rolle schütze-quest dem "erzähler" im radiofeature zuordnet; ob er dem erzählen einen größeren wahrheitsgehalt zuschreibt als dem berichten; welche rolle dem akustischen material, konkreter: dem originalton dabei zukommt, usw usf.

wie häufig in gesprächen, die zwischen zwei recht unterschiedlichen charakteren vor sich hin laufen, entstand etwas anderes als gewollt. in diesem fall: eine letztlich recht berührende charakterstudie des featureautors als älterem herrn.

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teil 1: das vaterlose kind als journalistischer kampfflieger 5'59

teil 2: journalist, "erzähler", gorillia-armeen und heroinscheiße: schütze-quest und lissek reden aneinander vorbei 6'14

teil 3: zwei widersprüchliche anekdoten über die arbeit des regisseurs; und der erzähl-text als ökonomische vorrichtung 6'23

teil 4: das bißchen, was ich höre, schreibe ich mir selber: das aktuelle feature als verfallsform 2'57

teil 5: aus der traum. irgendwann auf der reise wußte ich nicht mehr, wo ich war. oder: die speisewarenabteilung des kaufhofs 7'09

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miscellaneous:

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