michael lissek
radiophone dokumentationen
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features:
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das radiofeature man kann das theater durch
den haupteingang betreten und das schauspiel von vorne betrachten. man
kann aber auch durch die hintertür hereinkommen. durch die kulissen.
und von dort nach allen seiten hören und sehen. rene farabet
was man unter feature versteht, weiß niemand so recht, eigentlich scheinen alle nur zu wissen, was kein feature ist, aber auch das nicht so richtig (siehe z.b. hier). features sind in der regel eine stunde lang, aber manchmal sind sie auch kürzer. features sind im NWDR nach 1947 entstanden, aber da klangen sie nicht wirklich wie das, was man heute unter feature versteht, da klangen sie wie hörspiele, ohne welche zu sein. man erzählt sich, daß einer der ersten featureredakteure, ernst schnabel, hörspielbänder aus dem archiv holte und sie umkategorisierte. fortan waren die stücke alfred anderschs, zuerst als hörspiele produziert, "features". so kann das gehen. manche sagen: film im kopf, und das ist nicht ganz falsch. der brite, seltsamerweise, nennt das feature nicht feature sondern radio-documentary, und macht die sache sprachkundig ein wenig durchsichtiger. ein großer franzose, rene farabet, spricht aber keineswegs von dokumentation, sondern davon, daß (seine) features der versuch seien, mit akustischen mitteln (der sprache, dem geräusch, der musik) und ihrer neuanordnung eine geschichte zu erzählen. - "künstlerisch gestaltete dokumentation" ist ein anderer versuch, das feature zu umzeichnen, "kunstform der information" oder "dokumentation mit akustischem mehrwert" weitere. wobei aber die frage bleibt: wo steckt die information? und wo die kunst? das feature ist zumindest keine reportage, weil eine reportage ja bloß zur information da ist, das feature ist noch für anderes da. was die menschen sagen, ist bestimmt wichtig, das feature sagt aber auch, wie sie es sagen, das kann man von der reportage nicht behaupten. (bezüglich des was und wie der sprache im feature: ist es bei den geräuschpartikel des features genau umgekehrt: sie zeigen seltsamerweise nicht (in erster linie), wie die welt klingt, sondern daß sie klingt - aber das ist auch viel schöner.) außerdem hat das feature eine dramaturgie, und eine reportage hat keine dramaturgie, das ist noch ein unterschied. das feature ist ein
narratives genre, und vielleicht steckt da der zipfel "kunst": in den
erzählstrategien; das feature verwendet narrative strukturen, es
komponiert mit klängen und gesprächs-teilen, es arbeitet assoziativ (um von hier nach da zu kommen) und: das ist
vielleicht die tatsächliche besonderheit: es hat einen AUTOR /
eine AUTORIN, die ICH sagen darf. oder eine FIGUR entwerfen, die so
etwas wie dem ICH nahe kommt. vielleicht auch beginnt das
feature schon viel früher, ANDERS zu sein als seine
häßliche stiefschwester, die reportage. denn
featureautorInnen stellen ihren
interviewpartnern andere fragen als journalisten, reporter,
informationssucher. sie fragen: erzählen sie doch mal...
und nicht: sagen sie!
und dann erzählen
sie. oder auch nicht. was dabei jedenfalls herauskommt, ist ein
körper-generiertes material, mit dem der AUTOR / die AUTORIN
wiederum umzugehen (zu spielen) hat. schön wäre es, wenn das feature etwas "sagen" würde, was nur das feature sagen kann. wenn aus der montage der geräusche o-töne musiken etwas entstünde, das schwebte zwischen information und narration, wahrheit und schönheit. wenn selbst die eindeutigste aussage in diesem kontext vieldeutig würde, zu flirren begönne.
als weitere orientierung empfehle ich diesen vortrag von mir sowie die seite featuregespräche, auf der all dies und noch mehr besprochen wird.
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